Sem.Nr.: 1145-MA

Sprachstörung oder mangelnde Deutschkenntnisse? Differenzialdiagnostische Abgrenzung bei Migrantenkindern ( Schwerpunkt: Russisch-Deutsch, Türkisch-Deutsch)

Dr. Lilli Wagner, Sprachheilpädagogin

Datum: 12.11.2011
Uhrzeiten:
SA 09:30 - 17:00
Ort: München

Seminarbeschreibung:

Nach einem kurzen Einführungsteil zu theoretischen Grundlagen werden im Seminar praktische Hilfsmittel vorgestellt, die eine differenzialdiagnostische Abgrenzung bei Migrantenkindern ermöglichen. Die zweisprachigen Anamnesebögen von  Jedik (2006), die in 10 verschiedenen Sprachen vorliegen, erleichtern die Anamneseerhebung bei mehrsprachigen Familien. Kontrastive Sprachvergleiche mit Beispielen für russisch, polnisch, griechisch, spanisch, türkisch und arabisch sprechende Kinder verdeutlichen erwerbsbedingte Auffälligkeiten dieser Migrantengruppen in der deutschen  Sprache im Zuge des Zweitspracherwerbs.  
 
Für die Differenzialdiagnostik wird ein von der Referentin ausgearbeitetes Screening der Erstsprachfähigkeit bei Migrantenkindern - SCREEMIK 2 (Russisch-Deutsch, Türkisch-Deutsch) näher vorgestellt, das deutschsprachigen Fachpersonen ohne Kenntnisse der Erstsprache des Kindes und ohne Übersetzer eine Einschätzung des sprachlichen Entwicklungsstandes des Kindes ermöglicht. Die Überprüfung von Aussprache, Grammatik und Wortschatz, die Auswertung sowie Interpretation der Testergebnisse werden anhand von SCREEMIK2  gezeigt.  Weitere Instrumentarien wie z. B. WIELAU-T, SISMIK, SFD etc. werden überblicksartig vorgestellt.  Anschließend werden Möglichkeiten und Grenzen einer Sprachtherapie mit mehrsprachigen Kindern diskutiert sowie wichtige Aspekte der Elternberatung und Elternarbeit aufgezeigt.

Kurzbiographie Lilli Wagner:

Dr. Lilli Wagner studierte von 1994 bis 1999 Sprachheilpädagogik an der Universität zu Köln und promovierte dort anschließend zum Dr. paed. 2000-2002 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln sowie als Sprachheilpädagogin in einer mehrsprachigen sprachtherapeutischen Praxis tätig. Von Juli 2002 bis Januar 2007 Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik an der LMU München sowie an dem dort angebundenen Forschungsinstitut für Sprachtherapie und Rehabilitation im Bereich Mehrsprachigkeit. Seit November 2007 Tätigkeit als Sprachheilpädagogin am Diakoniewerk München-Maxvorstadt sowie Referententätigkeit in der Fortbildung von Sprachheilpädagogen, Logopäden, Lehrern und Erziehern zum Themengebiet Mehrsprachigkeit.

Quellenangaben:

Asbrock, D. (2009): Sprachentwicklungsdiagnostik bei mehrsprachigen Vorschulkindern: Erfassung der deutschen Zweitsprache mit dem SETK 3-5. Die Sprachheilarbeit 54, 197-203.
Grohnfeldt, M., Triarchi-Herrmann, V. , Wagner, L. (Hrsg.) (2005): Mehrsprachigkeit als sprachheilpädagogische Aufgabenstellung. Edition von Freisleben: Würzburg.
Jedik, L. (2002): Die russlanddeutsche Migration in der Sprachbehindertenpädagogik. Geschichtlich-theoretischer Hintergrund und praxisrelevante Forschungsergebnisse für das sprachbehindertenpädagogische Handlungsfeld durch konfrontierende Sprachanalyse. Shaker Verlag: Aachen.
Jedik, L. (2003): Sprachstörung oder mangelnde Deutschkenntnisse? Perspektiven für Diagnostik und Therapie. In: Kinderärztliche Praxis. Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin 74, 4, 239-245.
Montanari, E. (2002): Mit zwei Sprachen groß werden. Mehrsprachige Erziehung in Familie, Kindergarten und Schule. Kösel München.
Wagner, L. (2006): Computergestütztes Screening der Erstsprachfähigkeit bei Migrantenkindern - SCREEMIK 2. In: Forum Logopädie 6, S. 22-27.
Wagner, L. (2009): Zweisprachigkeit und Migration. In: Grohnfeldt, M. (Hrsg. ): Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie, Bd. 2. Erscheinungsformen und Störungsbilder. Verlag W. Kohlhammer: Stuttgart/Berlin/Köln, 3. Auflage, 148-159.
Wagner, L. (2010): Screening der Erstsprachfähigkeit bei Migrantenkindern - SCREEMIK2 als differenzialdiagnostisches Abgrenzungsmittel für russisch-deutsche und türkisch-deutsche Kinder. Die Sprachheilarbeit 55, 2, S. 54-64.
Unterrichtseinheiten:
Praxis: 7
Theorie: 1
Fortbildungspunkte:8
Freie Plätze: 20

Preis: 140,00 EUR
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