PDFDrucken

Das Sprachförderkonzept

Die Language Route ist ein pädagogisch-entwicklungslinguistisches Konzept für Erzieherinnen. Ziel ist eine fachlich fundierte, den Kindern in allen individuellen und altersstufenspezifischen Belangen gerecht werdende Förderung der Sprachentwicklung.

Das Konzept wurde im Jahre 2000 im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft entwickelt und wird bisher an ca. 4600 niederländischen Einrichtungen effektiv umgesetzt. Somit hat die Language Route in den Niederlanden einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht.
Dort wird sie von einem Materialprogramm begleitet, das den Erfordernissen des Sprachförderkonzepts spezifisch angepasst ist und „Ik ben Bas“ heißt.

Im Vordergrund steht die Idee des Spracherwerbs durch Interaktion. Diese findet nicht – wie in vielen anderen Programmen -  in isolierten, zeitlich vordefinierten Einheiten statt, zu denen man einzelne Kinder aus der Gruppe herausnimmt und fördert. Dies ist zwar auch möglich und kommt sicherlich besonders sprachschwachen Kindern auch zugute. Studien haben allerdings belegt, dass eine in den Alltag eingebettete, zeitlich ausgedehnte Sprachförderung wesentlich bessere Effekte erzielt.

Das eigentliche und breiter angewandte Förderprinzip im Rahmen der Language Route sieht eine solche Vorgehensweise vor. Im Mittelpunkt steht eine breit angelegte sprachförderliche Gestaltung des kindlichen Alltags.

Diese erfolgt im Kontext bestimmter kindgerechter Themenfelder, die jedes für sich einen Zeitraum von ca. zwei Monaten abdecken können.
In dem Ordner „Mach mehr mit Max“, der speziell für Erzieherinnen entwickelt wurde, wird jedem dieser Themenfelder ein ganzes Kapitel mit ausführlichen Handlungsanweisungen und Ideen für Spiele und Sprachförderaktivitäten gewidmet.

Die Language Route besteht aus 5 tragenden und sich ergänzenden Bausteinen der Sprachförderung:

  1. Effektive Gespräche führen
  2. Interaktive Wortschatzförderung
  3. Beginnende Lese- und Schreibfähigkeiten fördern (z.B. durch interaktives Bilderbuchlesen)
  4. Einbeziehung der Eltern in die Förderaktivitäten
  5. Einbeziehung moderner Medien (digital und audiovisuell)

Um die Language Route in KITAs in breiter Weise in Anwendung bringen zu können, favorisiert ProLog die folgende Vorgehensweise:

  1. In einem ersten Schritt nehmen Sprachtherapeutinnen bzw. Logopädinnen an einer zweitägigen intensiven Schulungseinheit teil, in deren Rahmen die für die Weiterbildung der Erzieherinnen zentralen Planungs- und Durchführungsinhalte vermittelt werden. Dabei wird ein umfangreicher Ordner ausgehändigt, der eine komplette Seminararchitektur als anwendungsorientierten Leitfaden für die Fortbildung der Erzieherinnen in KITAs enthält. Dieser Ordner ist die Basis für fünf halbtägige Seminare mit den KITA-Mitarbeiterinnen. In diese Seminare lassen die gecschulten Sprachtherapeutinnen natürlich zusätzlich ihr Fachwissen zur kindlichen Sprachentwicklung einfließen.
  2. Wenn sich eine KITA für die Sprachförderung mit der Language Route interessiert, sollten sich die dafür zuständigen Erzieherinnen an die nächstliegende sprachtherapeutische bzw. logopädische Praxis wenden, in der eine entsprechend geschulte Max-Trainerin arbeitet.
    Diese führt die o.g. 5 Schulungseinheiten durch und berät die interessierten Erzieherinnen in ihrer Sprachförderarbeit. Die genannten Schulungmodule orientieren sich an den erwähnten 5 Bausteinen der Sprachförderung:

     

    1. Grundlagen der Language Route; Kindliche Sprachentwicklung; Prinzipien der Sprachförderung durch Interaktion; soziales, bedeutungsvolles und strategisches Lernen; Heranführen an die Vorläuferfähigkeiten für den Schriftspracherwerb
    2. mündliche Sprachproduktion; beginnende Lese- und Schreibfähigkeiten;  Gesprächstechniken mit sprachförderndem Charakter; Verarbeitungsaktivitäten; interaktives Vorlesen als Methode und Vorlesezyklen; Erzählwand und Erzähltisch
    3. Stimulation der Wortschatzentwicklung in verschiedenen Situationen und Erklären von Wortbedeutungen; Gespräche führen mit Kindern/Gesprächstechniken mit sprachförderndem Charakter; Einsatz von Interaktionsfähigkeiten; Effekte unterschiedlichen Nachfragens
    4. Arbeiten mit dem Stufenplan Wortschatz; Wörter selektieren; Wörtern Bedeutung geben (Semantisieren); Üben, Wiederholen, Konsolidieren; Elternarbeit; Kennenlernen der „Ich bin Max“-Materialien
    5. Einsatz moderner Medien; die Rolle des Familien-Portfolios; Erfahrungsaustausch der Teilnehmer und bedarfsgerechte Vertiefung

     

Zur Umsetzung der Strukturen und Inhalte der Language Route eignen sich die „Ich bin Max“-Materialien in ganz besonderer Weise. Sie greifen Max als positiv besetzte Identifikationsfigur auf und bieten inhaltliche wie grafische Grundlagen für die Anwendung dieses Sprachförderkonzepts im KITA-Alltag.

Über die Schulung der verantwortlich im Bereich der Sprachförderung arbeitenden Erzieherinnen hinaus kann sich die Sprachtherapeutin/Max-Trainerin als Beraterin für Fälle manifester Sprachentwicklungsverzögerungen bzw. –störungen bereithalten bzw. als potentielle Behandlerin zur Verfügung stellen.